Was ist Tonic Water?
Tonic Water ist ein Erfrischungsgetränk aus Wasser, Kohlensäure, Zucker oder Süßungsmitteln und Aromen. Sein Kennzeichen ist das Chinin. Im Longdrink ist es der Filler, am bekanntesten im Gin Tonic.
Chinin: woher die Bitterkeit kommt
Chinin wird aus der Rinde des Chinarindenbaums gewonnen und ist vor allem als Mittel gegen Malaria bekannt. In Getränken wird es als Aroma eingesetzt, laut BfR vor allem in Bitter Lemon und Tonic Water.
Was ist rechtlich geregelt? Chinin darf Lebensmitteln nicht beliebig zugesetzt werden. In der EU legt die EU-Aromenverordnung (EG) Nr. 1334/2008 mit ihrer Unionsliste fest, in welchen Lebensmitteln Chinin als Aroma verwendet werden darf und welche Höchstmengen dabei gelten. Einen Überblick geben das Verbraucherinformationssystem Bayern und die Verbraucherzentrale Südtirol. Laut dem bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) enthielt Tonic Water bei amtlichen Untersuchungen im Mittel etwa 71 mg Chinin je Liter (Stand 2021).
Ältere Angaben, etwa in der BfR-Bewertung von 2005 (aktualisiert 2008), beziehen sich noch auf die frühere deutsche Aromenverordnung und geben nicht den heutigen Rechtsstand wieder.
Kennzeichnung: Bei verpackten Getränken steht Chinin im Zutatenverzeichnis unmittelbar nach dem Wort "Aroma" (Lebensmittelinformationsverordnung, Anhang VII Teil D). Unverpackte alkoholfreie oder alkoholarme chininhaltige Getränke (bis 1,2 % vol), etwa Tonic Water offen am Tresen, müssen nach der Aromendurchführungsverordnung mit "chininhaltig" gekennzeichnet sein.
Wer auf Tonic Water verzichten sollte
Das BfR rät:
- Schwangere sollen vorsorglich auf chininhaltige Getränke verzichten.
- Menschen mit Tinnitus, Vorschädigung des Sehnervs, Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, Myasthenia gravis oder Überempfindlichkeit gegen Chinin sollen sie meiden.
- Wer Herzrhythmusstörungen hat oder Medikamente nimmt, die mit Chinin wechselwirken, soll vorher mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen.
Die BfR-Bewertung stammt von 2005 (aktualisiert 2008). Bei gesundheitlichen Fragen ist die ärztliche Beratung der richtige Weg, nicht dieser Artikel.
Die Sorten im Überblick
Feste, herstellerübergreifende Definitionen für "Indian", "mediterran" oder "aromatisch" gibt es nicht; es sind Produktbezeichnungen. In der Praxis lassen sich vier Richtungen unterscheiden:
- Indian Tonic: der Klassiker mit deutlicher Chinin-Bitterkeit und Zitrusnoten. Fever-Tree nennt für sein Premium Indian Tonic eine leichte Bitternote vom Chinin und eine Zitrusnote aus Bitterorangen.
- Mediterran oder botanisch: mit Kräuteraromen, meist milder. Fever-Tree nennt für sein Mediterranean Tonic Rosmarin und Zitronenthymian, Thomas Henry beschreibt sein Botanical Tonic als mild, floral-kräuterig und sanft bitter.
- Aromatisch: mit zusätzlichen Bitterstoffen, etwa Angosturarinde, oft rosa gefärbt.
- Light, Dry und Zero: weniger oder kein Zucker. Dry-Varianten sind teils nur wenig zuckerärmer, im Vordergrund steht dort die geringere Süße. Zero-Varianten sind mit Süßstoffen gesüßt. Schweppes beschreibt sein Dry Tonic so: Die Süße geht etwas runter, die Bitterkeit etwas hoch.
Zucker und Energie laut Hersteller
| Produkt | Richtung | Zucker je 100 ml | Energie je 100 ml |
|---|---|---|---|
| Thomas Henry Tonic Water | klassisch (Indian-Stil) | 9,3 g | 38 kcal |
| Schweppes Indian Tonic | Indian | 7,9 g | 33 kcal |
| Fever-Tree Premium Indian Tonic | Indian | 7,4 g | 30 kcal |
| Schweppes Dry Tonic | Dry | 7,5 g | 32 kcal |
| Fever-Tree Mediterranean Tonic | mediterran | 7,9 g | 34 kcal |
| Thomas Henry Botanical Tonic | botanisch | 7,9 g | 34 kcal |
| Fever-Tree Premium Dry Tonic | Dry, zuckerreduziert | 3,8 g | 15 kcal |
| Schweppes Indian Tonic Zero | Indian, zero | 0 g | 3 kcal |
Zum Vergleich: In einem Gin Tonic mit 15 cl klassischem Indian Tonic stecken je nach Marke rund 11 bis 14 g Zucker, mit einer zuckerreduzierten Variante wie Fever-Tree Premium Dry etwa die Hälfte.
Welches Tonic zu welchem Gin?
Eine feste Regel gibt es nicht, aber eine Faustregel: Ein klassischer, wacholderbetonter Dry Gin verträgt ein kräftiges Indian Tonic. Kräuterige oder florale Gins kommen mit einem milderen mediterranen Tonic besser zur Geltung. Wer es trockener mag, nimmt eine Dry- oder Light-Variante. Am besten probierst du zwei Tonics nebeneinander mit demselben Gin.
Geschichte
Britische Offiziere im kolonialen Indien nahmen Chinin zum Schutz vor Malaria und gehörten laut Saveur zu den ersten, die daraus Tonic mischten. Kommerzielles Tonic Water ist seit den 1860er-Jahren bekannt; 1870 nahm Schweppes Tonic Water ins Sortiment (Foods of England), laut Saveur als "Indian" Tonic.
Häufige Fragen
Ist Tonic Water alkoholfrei?
Ja, Tonic Water ist ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk.
Warum ist Tonic Water bitter?
Wegen des Chinins, das als Aroma zugesetzt wird.
Dürfen Schwangere Tonic Water trinken?
Das BfR empfiehlt Schwangeren, vorsorglich auf chininhaltige Getränke zu verzichten.
Wie viel Zucker hat Tonic Water?
Klassische Indian Tonics liegen laut Hersteller bei etwa 7,4 bis 9,3 g je 100 ml, zuckerreduzierte Varianten wie Fever-Tree Premium Dry bei 3,8 g, Zero-Varianten bei 0 g.
Was ist der Unterschied zwischen Tonic Water und Bitter Lemon?
Beide enthalten Chinin. Bitter Lemon schmeckt zusätzlich deutlich nach Zitrone. Als Filler steckt es zum Beispiel im Wodka Lemon.
Weiter geht es mit dem Gin Tonic Rezept und der Übersicht Longdrinks: die Klassiker mit Rezept und Mischverhältnis. Tonic Water passt auch zu Aperitifs: Den Lillet Rosé Tonic von Lillet stellen wir als Variante beim Lillet Wild Berry vor.
